Die Gesundheit des Cavalier King Charles Spaniel 

 

 

 

Es gibt wohl kaum eine Rasse, die nicht irgendwelche gesundheitlichen Probleme hat. Bei meist größeren Rassen überwiegen die Skeletterkrankungen, wie z.B. Hüftgelenksdysplasie oder Ellenbogendysplasie, bei kleineren Rassen

eher die Patellaluxation.


Deshalb sollte jeder, der sich für eine Rasse interessiert, sich auch über rassespezifische Gesundheitsprobleme informieren, die in dieser eventuell auftreten können.

 

Obwohl die Cavalier King Charles Spaniel heute weit verbreitet sind und es eine Vielzahl an Tieren gibt, so stammen diese mehrheitlich von einer kleinen Anzahl an Cavalieren ab.

Diese Ausgangstiere finden sich dadurch in wohl allen Ahnentafeln unserer heutigen Cavaliere wieder.

Durch diesen kleinen genetischen Zuchtpool sind natürlich auch Probleme entstanden, mit denen sich heute alle Züchter auseinandersetzen müssen und die es zu bekämpfen gilt. Diese geringe genetische Variabilität der Individuen führt leider dazu, dass rezessive Erbkrankheiten in der Rasse vermehrt auftreten wenn die Zuchttiere nicht alle gesundheitlich untersucht und gewissenhaft ausgewählt werden.

Daher sollte es das Ziel eines jeden verantwortungsbewussten Züchters sein, gesundheitlich einwandfreie Hunde zu züchten. Zusätzlich gibt es eine Reihe vorgeschriebener und strenger Regeln der VDH-Zuchtverbände für die Zulassung von Zuchthunden, die in der jeweiligen Zuchtordnung festgelegt sind und überwacht werden.

Cavaliere, die in der Zucht stehen, sollten auf alle wichtigen Erkrankungen untersucht werden und natürlich gesund sein.

So versuchen gewissenhafte Züchter, mit Hilfe des entsprechenden Wissens über die Erkrankungen, verantwortungsvoll zu züchten.

 

Bei allen Erkrankungen, die ich hier aufzähle, sollte nicht vergessen werden, dass der Cavalier im allgemeinen ein problemloser, robuster und sportlicher Kleinhund ist. Mit Sicherheit gibt es andere Rassen, die wesentlich krankheitsanfälliger und kurzlebiger sind als der Cavalier.

Durch konsequente Zuchtlenkungsmaßnahmen wird eine Grundlage für gesunde und langlebige Cavaliere gelegt.

 

 

Herzkrankheiten

Treten meist durch Mitralklappeninsuffizienz auf. Hierbei handelt es sich um eine Leistungsschwäche und/oder Degeneration der Segelklappe zwischen Vorhof und linker Hauptkammer. Durch die Funktionsschwäche dieser Klappe erfolgt eine Überbelastung des Herzens und es kann sogar zu einer Schädigung bzw. unnatürlichen Vergrößerung des Herzens kommen.

Durchschnittlich treten die ersten Auffälligkeiten zwischen dem 4. und 6. Lebensjahr des Hundes auf.

Der Erbgang ist wahrscheinlich polygen und zusätzlich von Umweltfaktoren beeinflussbar.

Von den möglichen Herzkrankheiten bei Rassehunden ist die unter Umständen bei Cavalieren auftretende Mitralklappeninsuffizienz die "einfachste Erkrankung". Eine frühzeitige Behandlung ist in vielen Fällen erfolgreich.

 

Meine Hündinnen werden regelmäßig einmal im Jahr sowie 3 Monate vor jeder Belegung auf Herzgeräusche mittels Auskultation und/oder Herzultraschall untersucht.

 

 

Erbliche Augenerkrankungen

Studien in England und anderen Ländern haben ergeben, dass Cavaliere auch von Augenerkrankungen betroffen sein können. Da die Untersuchung in Deutschland nicht verpflichtend ist, liegen demzufolge auch wenig Untersuchungsergebnisse vor. 

 

Ich lasse meine Cavaliere freiwillig von einem Augenspezialisten des DOK (Dortmunder Kreis) auf erbliche Augenerkrankungen untersuchen.

 

 

Gelenkerkrankungen (PL)

Patellaluxation (PL) bedeutet eine Verlagerung der Kniescheibe (lateinisch Patella) aus ihrer Gleitrinne im Oberschenkelknochen. Die PL ist ein weit verbreitetes Problem bei vielen Kleinhunderassen.

Ein selbstständiges Herausspringen der Kniescheibe aus der Gleitrinne kann von Schmerzen bis zur Unbeweglichkeit des Hundes führen. Eine Behandlung ist durch Bewegungstherapie oder notfalls auch mittels einer Operation möglich.

 

Die Untersuchung auf PL lasse ich ebenfalls bei meinen Hunden durchführen.

 

 

Syringomyelie (SM)

Jahrzehntelang nicht als Erkrankung erkannt, sondern als "Kratz-Syndrom" oder als Eigenart des Cavaliers abgehandelt.

Bei der SM geht es um eine neurologische Erkrankung. Das Problem entsteht durch einen zu kleinen Hinterhauptsknochen, so dass im Schädel des Hundes nicht genügend Hohlraum für das Gehirn und die freie Zirkulation der Gehirnflüssigkeit bleibt. Dadurch wird die Flüssigkeit in den Wirbelsäulenstrang gezwängt und es entsteht eine Aussackung, genannt Syrinx.

 

Anfangs zeigt sich ein Scheinkratzen an Hals und Schultern (Phantomkratzen), bei dem das Fell überhaupt nicht berührt wird. Ausgelöst werden die Symptome meist durch Stress und Aufregung. Später kommt es bei dieser Krankheit zu vielen Symptomen wie Lähmungen und/oder Bewegungs- und Empfindungsstörungen durch Nervenausfälle.

Menschen mit dieser Erkrankung beschreiben die Schmerzen oder das Gefühl so, als ob Insekten über die Haut krabbeln

und ein wahnsinniges Brennen verursachen.

Es handelt sich dabei aber um keine Haut- oder Ohrenerkrankung, sondern um einen neurologischen Defekt.

 

Betroffene Hunde können ebenso im Kopf, Nacken oder an den Vorderläufen empfindsam sein und oftmals schreien sie

ohne Grund auf. Bestimmte Positionen der Kopfhaltung können ebenso schmerzhaft sein, deshalb nehmen erkrankte Hunde oftmals eine Schonhaltung ein.

Anzeichen einer Erkrankung können im Alter von ca. 6 Monaten bis bevorzugt 3 Jahren auftreten, manchmal aber auch in späteren Jahren. Anhand der klinischen Symptome und durch MRT-Scan kann diese Erkrankung diagnostiziert werden.

 

Vermehrtes Kratzen im Nacken- oder Ohrenbereich sollte Sie aber zunächst dazu veranlassen der Ursache auf den Grund

zu gehen. Meist handelt es sich um ein "Verlegenheitskratzen", Hautprobleme, Parasiten (Milben) oder Allergien. Erst wenn solche Ursachen ausgeschlossen worden sind, sollte gezielt auf neurologische Ursachen hin untersucht werden.

 

SM kommt auch bei anderen Kleinhunderassen vor, ist aber nennenswert nur beim Cavalier, in allen seinen Farbschlägen und beiden Geschlechtern.

 

Meine Hündinnen werden im entsprechenden Alter ebenfalls auf SM untersucht (MRT-Scan)

 

 

Episodic Falling (EF)

Ist eine Erbkrankheit, diese Krankheit äußert sich durch vorübergehend, in Episoden (episodic) auftretende Bewegungsstörungen. Es kann auch vorkommen, dass der Hund mitten in der Bewegung innehält und er unfähig ist,

die Füße voreinander zu setzen, dabei hält er den Kopf gesenkt oder zu einer Seite gedreht.

 

Desweiteren äußern sich Symptome wie ein plötzliches Umfallen (falling) des Hundes mit Krämpfen der Gliedmaßen, auch die Gesichtsmuskulatur kann betroffen sein. Der Hund ist, ähnlich wie bei Epilepsie, während eines solchen Anfalls nicht in der Lage seine Bewegungen zu kontrollieren bzw. bewusst zu steuern.

 

Anders als bei Epilepsie, wo der Hund während eines Anfalles seine Umwelt nicht wahrnimmt, ist er bei Episodic falling

bei vollem Bewusstsein, d.h. er bekommt alles mit. Wenn der Besitzer also aufgeregt ist, überträgt sich dies auf den Hund,

also versuchen Sie ruhig zu bleiben und beruhigend auf den Hund einzuwirken.

Nach dem Anfall ist der Hund sofort wieder "normal" kann aber auch erschöpft sein und schlafen wollen.

 

Diese Krämpfe haben eine neurologische Ursache.

 

 

Curly Coat (CC) / Dry Eye (DE) Syndrome

Sind die Symptome einer autoimmunen Erbrankheit, die auf den Defekt desselben Gens zurückzuführen sind und somit meistens zusammen auftreten.

 

 

Dry Eye Syndrome (DE)

Diese autoimmune Erbkrankheit mit genetischer Disposition (ererbte Anfälligkeit für die Ausbildung von Krankheiten) äußert sich durch Rötung und Entzündung der Sclera (Adernhaut) des Auges, oftmals begleitend mit einer Konjunktivitis (Bindehautentzündung) mit gelb-grünem Ausfluss. Durch diese Autoimmunprozesse, d.h. der Körper richtet sich gegen

sich selbst, werden die Tränendrüsen langsam zerstört.

Das Auge trocknet aus und ist chronisch gereizt. Dies ist für das Tier sehr schmerzhaft und es versucht oft die Augen an Gegenständen, auf dem Boden oder mit der Pfote zu reiben, um dem Schmerz zu entgehen.

Die Zerstörung der Tränendrüsen ist nicht aufzuhalten, sondern nur durch lebenslange und konsequente Substitution (Ersatz der dem eigenen Körper fehlenden Stoffe) von Immunsuppressiva und Augensalben-Tropfen, die die "Tränen" ersetzen, bzw. das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen.

 

 

Curly Coat Syndrome (CC)

Tritt zusätzlich bei stark von Dry Eye betroffenen Hunden auf und ist von Geburt an sichtbar. Die Krankheit ist dann schon an dem stark gelockten, harschen Fell der Welpen erkennbar, später entwickelt sich eine schuppende (Seborrhoe), entzündete, fettige Haut, was für die betroffenen Cavaliere sehr scherzhaft ist. Auch die Zähne und das Zahnfleisch können befallen sein.

 

 

Ursache dieser Erkrankungen (EF und CC/DE) ist ein monogen autosomal rezessiver Erbgang.

 

Erklärung:

Monogen autosomal bedeutet, dass die Erkrankung auf ein einziges Gen zurückzuführen ist und sowohl weibliche als auch männliche Tiere gleichermaßen davon betroffen sind.

Jedes Gen hat zwei Allele (Merkmalsausprägung eines Gens), ein Allel kann zweimal in verschiedenen Varianten an

einem Gen auftreten.

Hunde mit der Bezeichnung ERKRANKT weisen das kranke Allel doppelt auf, in diesem Fall, wenn das Gen also zwei kranke Allele besitzt ist die Erkrankung auch sichtbar.

 

Hunde (Träger), die ein Gen mit einem kranken und einem gesunden Allel aufweisen, sind selbst unauffällig und zeigen keine Symptome. Ihr gesundes Allel überdeckt den Defekt, da es dominant ist.

Sie mögen zwar Träger sein sind aber GESUND!!!

 

Kranke Welpen entstehen, wenn der Welpe von beiden Elterntieren (beide Träger des gleichen Krankheitssyndroms),

das jeweils kranke Allel geerbt hat.

Aus diesem Grund ist eine Verpaarung von Träger-Hunden der gleichen Krankheitssyndrome, z.B. Episodic Falling Träger mit Episodic Falling Träger, verboten!

 

Somit sind symptomlose Genträger zur Zucht zugelassen, dürfen jedoch nur mit einem Partner verpaart werden, der genetisch frei ist von diesen Defekten, so dass definitiv keine kranken Tiere aus einer Verpaarung entstehen können.

 

Mendelsche Regel - Verpaarung                  G (Gesund)  Allel = dominant

         k (krank)      Allel = rezessiv

 

Elterntiere: (beide Träger der Erkrankung, z.B. CC/DE oder beide Träger von EF)

  

Verpaarung verboten! 

 

G

k

G

GG

Gk

k

Gk

kk

 

25% genetisch gesunde-, 50% Träger- und 25% kranke Welpen. (Verhältnis 1:2:1, siehe Mendelsche Spaltungsregel).

Damit erst keine (kk) kranken Welpen geboren werden, ist solch eine Verpaarung nicht erlaubt.

 

 

Elterntiere: (ein Tier ist Träger der Erkrankung z.B. CC/DE oder EF und das ander Tier ist genetisch gesund).

 

Verpaarung erlaubt! 

 

G

k

G

GG

Gk

G

GG

Gk

 

50% genetisch gesunde Welpen und 50% Träger-Welpen, aber 100% GESUNDE WELPEN!!!

Somit kommt durch die Verpaarung kein kranker Welpe auf die Welt.

 

 

Es kann nicht im Interesse des Cavaliers sein, Genträger aus der Zucht zu nehmen. Dies wäre meiner Meinung auch keinesfalls sinnvoll. Die genetische Basis der Rasse ist bereits sehr eng. Es wäre der falsche Schritt Genträger aus der

Zucht zu nehmen und damit die Zuchtbasis weiter einzuschränken.

Animal Health Trust (AHT), ein Labor in England, verfügt seit dem 18. April 2011 über die Gentests der beiden erblichen Erkrankungen Episodic Falling und Curly Coat/Dry Eye Syndrome.
Seitdem es diesen Test gibt kann verhindert werden, dass erkrankte Hunde geboren werden ohne dabei Hunde aus der Zuchtbasis zu verlieren, die andere positive Eigenschaften aufweisen und gesundheitliche Stärken in bisher nicht so elegant zu beherrschenden Erkrankungen aufweisen.

 

Ein gewissenhafter Züchter wird seine Zuchthunde diesem Gentest unterziehen um keine kranken Welpen zu riskieren!

 

Meine Hündinnen sind DNA-getestet auf Curly Coat/Dry Eye und Episodic Falling.

 

 

Danken möchte ich meiner Freundin Christine Rödder, die mir bei der Zusammenstellung des Textes

mit Ihrer fachlichen Kompetenz geholfen hat!

 

 

Quellennachweis

Doris Steger, www.sweigas.de/

Dr. Kathrin Lange, ICC, Hauptzuchtwartin

Top

Casenitos@t-online.de